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„Niemand drängt sich in den Vordergrund"

Interview: Sebastian Ude, Mitglied des Mendelssohn Quartetts Leipzig, vor dem Konzert in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche

DIE RHEINPFALZ, den 28. August 2009

Dass Felix Mendelssohn Bartholdy in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert, ist den meisten Klassik-Fans sicherlich bekannt. Aber wer weiß schon, was den gebürtigen Hamburger mit Speyer verbindet? Das verriet der Geiger Sebastian Ude unserer Mitarbeiterin Anne Kirchberg. Das Mitglied des seit 1995 bestehenden Mendelssohn Quartetts Leipzig gastiert mit seinen drei Musiker-Kollegen am Sonntag, 6. September, 17 Uhr, in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche.

In welcher Besetzung tritt das Mendelssohn Quartett Leipzig auf?

Unsere Stammbesetzung sind die zwei Geigen, gespielt von Gunnar Harms und mir, der Viola von Larissa Petersen, die am Chemnitzer Theater engagiert ist, und Susanne Raßbach vom MDR Leipzig am Cello. Ein Streichquartett ist eine komplexe Besetzung und die höchste Kunst der Kammermusik. Deswegen ist es unüblich, Musiker auszuwechseln. Denn die vier Leute sind perfekt aufeinander eingespielt und haben zusammen sehr viel geübt.

Wie sieht Ihre musikalische Arbeit neben dem Mendelssohn Quartett aus?

Ich bin hauptberuflich Geiger im Gewandhaus-Orchester Leipzig. Im Mendelssohn Quartett spiele ich ab und zu die erste und manchmal die zweite Geige. Es bringt dem Publikum noch mehr Abwechslung, wenn der erste Geiger wechselt, da durch ihn der Klang und die Spielart etwas bestimmt werden. Außerdem unterstreicht dieser Wechsel den Charakter der Gattung Streichquartett: Johann Wolfgang von Goethe hat einmal gesagt, dass dies eine Unterhaltung vierer vernünftiger Leute ist, sich also niemand in den Vordergrund drängen möchte. Neben dem Quartett spiele ich gerne Barockmusik in diversen Ensembles und auch Saxophon.

Werden Sie in Speyer nur Stücke von Mendelssohn spielen?

Ja, denn in diesem Jahr wird Mendelssohns 200. Geburtstag gefeiert. Wir spielen zwei Werke und speziell in Speyer mein liebstes Quartett von Mendelssohn, welches Opus 44 Nummer zwei in e-Moll ist. Dieses Stück soll er in Speyer komponiert haben, weswegen es der Wunsch des Veranstalters war, das Werk ins Programm zu nehmen. Daneben präsentieren wir Opus 44 Nummer drei, das technisch von allen Mendelssohn-Stücken am schwersten zu spielen ist.

Im Mendelssohn-Jahr hat Ihr Quartett wahrscheinlich viel zu tun?

Da wir nun einmal Mendelssohn Quartett heißen und uns ihm verpflichtet fühlen, wird gerade bei uns sehr nach Mendelssohn gefragt. Wir spielen selbstverständlich gerne auch andere Komponisten, aber in diesem Jahr ist höchstens mal ein kleiner Haydn dabei, da er ebenfalls ein Jubiläum feiert. Z udem konnten wir bei einem Auftritt noch einen Schumann unterkriegen, aber sonst werden ausschließlich die Werke von Mendelsohn verlangt.

Was ist charakteristisch für die Musik von Mendelssohn?

Mendelssohn ist ein Romantiker, aber die Musik ist nicht so schwer wie bei Brahms, der bei den Leuten noch beliebter ist. Mendelssohn hat solche Charaktere, wie man sie durch den „Sommernachtstraum" kennt: Seine Musik kann sich anhören, wie wenn Elfen vorbei huschen, aber auch ganz dramatische Momente haben. Mendelssohn war ein fröhlicher Mensch, dem es gut ging in seinem Leben. Das hat viele Wissenschaftler oder Musikfreunde immer wieder veranlasst zu denken, dass er nicht so ein großer Künstler wie beispielsweise Beethoven ist. Aber das stimmt meiner Meinung nach nicht, da er so viel Leidenschaft und gleichzeitig durch seine Frohnatur viel Leichtigkeit, sprühende Fre ude und Witz in seiner Musik hat.

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Speyerer Rundschau
Ausgabe: Nr.199
Datum: Freitag, den 28. August 2009
Seite: Nr.17

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